Tag 6 der Kaffeereise Nordthailand

Raus aus der einen Stadt (Chiang Mai), rein in die andere (Chiang Rai). Noch kurz ein herzhaftes Frühstück (was ich später bereuen werde) und ein wenig Obst für die Fahrt und dann 3 Stunden Richtung Norden.

In Chiang Rai holen wir einen Teil der bedruckten Kaffeesäck von Mystic Hilltribe bei einer kleinen Garagenfirma ab, die alle Säcke von Hand im Siebdruck bedruckt. Vor der Tür liegt gerade die letzte Partie noch zum Trocknen aus. Die mit unserem Logo bedruckten sind leider noch nicht fertig, da ja erst seit gestern die Anzahl von 25 Sack feststeht. Da kommt alles in allem eine ganze Menge von 300 Säcken für Mystic Hilltribe zusammen. Da auf dem Pickup ja schon die Pergamino-Säcke des Mae u Mong Kaffees liegen, wird es langsam eng.

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Tag 5 der Kaffeereise nach Nordthailand

Heute wird es eng. Das WLAN im Hotel ist zwar gut, wie lange ich in meiner niedrigen Sitzposition aber schreiben kann, ist noch nicht klar…

Die Abreise von dem Dorf Ban Nam Rim und der Abschied von Avou (Jürgen begleitet mich die nächsten Tage alleine) dauert doch wie immer länger. Ich packe mit Jürgen die letzten Pergamino-Kaffeesäcke auf den Pickup. Die nehmen wir mit und werden Sie übermorgen in Doi Chang, einer nördlicheren Kaffeeregion schälen.

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Avous Papa (83) ist extrem gut drauf und wünscht sich noch ein schönes Foto mit einem Blütenbaum. Dafür legt er seine Feiertags-Tracht, mit reichlich Silber an. Ich freue mich über die tollen Ergebnisse. Bin gespannt, was er für Augen machen wird. Avous Schwester schnitzt indes kleine Ritualstäbchen für den Dorftempel.

Dann geht es 4 Stunden auf der Route 1095, der Straße der 700 Kurven zurück nach Chiang Mai. Im Highland Research Center der Uni wollen wir noch unseren Farmer Dong treffen, der heute Morgen seinen/unseren Rohkaffee auf der Schälmaschine (siehe mittleres Bild) schälen will. Wir haben in wohl knapp verpasst, haben aber noch kurz die Möglichkeit mit Professor Chavalit über aktuelle Kaffeeschädlingsprobleme (Berry Borer) und der empfohlenen, biologischen Bekämpfungsmethode (mit Pheromonen/Lockbotenstoffen) zu sprechen. Chavalit ist für den wissenschaftlichen Support der Bauern in Nordthailand zuständig und eigentlich permanent auf den Farmen unterwegs. Glück ihn hier zu treffen. Mystic Hilltribe hat er sehr bei der Suche nach Farmen, der Aufzucht der Jungpflanzen und Optimierung der Kaffeequalitäten geholfen.

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Dann geht es wieder rauf auf den Doi Suthep in das Dorf Khun Chang Khian. Wir warten auf Dong noch ca. eine Stunde und laufen kurz zu Bancha, dem Bauern, dessen Kaffee wir im letzten Jahr importiert haben. Hier hat sich (leider) nicht viel entwickelt. Der schöne Blick auf das Dorf ist aber der alte geblieben.

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Mit knapp 2 Tonnen auf seinem Pickup empfangen wir Dong und seine Frau Tscho auf dem Dorfplatz vor seinem Shop. Dort hängt bereits unser Talhão Schild. Ein freundlicher Schritt für eine beginnende Partnerschaft.

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Zu fünft (Dongs jüngster Sohn Dju (links im Bild) hilft auf dem Pickup mit) entladen wir die 54 Säcke a 30 kg (1600kg) unsortierten Rohkaffee und bringen sie in die noch zu optimierende Lagerhütte. Avou erklärt/dolmetscht via Telefon unsere Anforderungen an die Sortierung und erklärt, dass wir, die Dauner Kaffeerösterei einen Bonus von 300Euro zusätzlich zum hohen Mystic Hilltribe Preis zahlen, um unserer Partnerschaft einen guten Start zu verschaffen und der Familie den Bau einer neuen Lagerhalle mitzufinanzieren. Alle sind sehr zufrieden.

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Sofort beginnen wir gemeinsam die geschälten Kaffeebohnen zu sortieren um gemeinsam festzulegen, welche Bohnen (zu kleine, Bruch, schwarz verfärbte) aussortiert werden müssen, um anschließend eine optimale Qualität zu haben. Da die Bohnequalität aber grundsätzlich sehr gut aussieht werden voraussichtlich nur 5% aussortiert werden müssen. Aber alle unsortierten 1600kg gehen dann durch die Hände der Familie Dong, um am Ende noch ca. 1500kg für uns zu haben. Der Ausschuss wird von Mystic Hilltribe „weitervermittelt“. Es gibt tatsächlich Käufer für so schlechte Qualitäten, die wir aussortiert haben möchten.

Am Ende fällt der Abschied echt schwer. Totale Herzlichkeit beim „auf Wiedersehen sagen“. Ich freue mich mit Heike im kommenden Jahr wieder hier sein zu dürfen und ihr diese nette Familie vorzustellen, die eine Partie unseres Kaffeesortiments komplett für uns herstellt.

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Runter geht es in die Stadt Chiang Mai. Wir genießen noch kurz die diesige Aussicht ins Hochland. Jürgen führt mich noch in ein verstecktes Thai-Restaurant, in dem es gibt einen phantastischen Fisch mit Suppe und wildem Klebreis gibt. Erst jetzt bemerken wir, dass wir seit dem Frühstück nichts mehr gegessen haben.

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Heute Nacht bleiben wir in der Stadt, um morgen ganz früh weiter Richtung Chiang Rai zu fahren. Auf dem Plan stehen beim Kaffeesackbedrucker die schönen Mystic Hilltribe Säcke abzuholen und Ghan & Kwuan in Pang Khon, unsere zweiten Kaffeelieferanten aus Nordthailand, wiederzusehen.

Tag 4 der Kaffeereise nach Nordthailand

Ein Déjà-vu? Genau wie gestern holt mich Jürgen Wittmann kurz nach 7.00Uhr in der Früh in Soppong ab. Wieder geht es in die Markthalle (heute weniger Stände) und erneut packen wir im Baumarkt über 200 Pipes auf den Pickup. Dann geht es aber anders weiter:

In Ban Nam Rim, dem Heimatdorf von Avou und Wohnort von der 3 Wittmanns werden wir 925 junge Arabicapflanzen auf die Ladefläche packen. Diese Pflanzen der Arabica Varietäten (Sorten) „Yellow Catuai, Mundo Novo, San Ramon und Kona hat Mystic Hilltribe vor ca. einem Jahr als kleine Setzlinge gekauft und über ein Jahr zu stattlichen Jungpflanzen aufgepäppelt.

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Bestimmt sind diese Kaffeepflanzen als weitere Spende für das Projektdorf Mae u Mong, das wir ja schon gestern besucht haben. Sie werden zur Regenzeit auf die 26 Familien verteilt und sollen in 4-5 Jahren die ersten Ernten bringen. Aber jetzt müssen Sie in Etappen (ca. 2000Pflanzen werden in 2 Transporten noch folgen) zum Dorf gebracht werden. „Tag 4 der Kaffeereise nach Nordthailand“ weiterlesen

Tag 3 der Kaffeereise nach Nordthailand

An diesem Morgen bin ich pünktlich fertig. Jürgen holt mich im Hotel in Soppong ab und es geht erstmal auf Dienstagsmarkt in diesem kleinen Städtchen. Auch diese tolle Atmosphäre kennen ich schon aus dem letzten Jahr, doch so früh am Morgen geht es hier noch entspannt zu. Außerdem ist die Temperatur noch angenehm kühl.

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Jürgen kauft Obst und Gemüse für das Abendessen, und süßes Gebäck für das Karen-Hilltribe Dorf „Mae u Mong“, wo wir zum Mittagessen eingeladen sind. „Tag 3 der Kaffeereise nach Nordthailand“ weiterlesen

Tag 2 der Kaffeereise Nordthailand

Verschlafen… Erst die halbe Nacht kein Auge zugemacht und dann, nach 2 Aspirin gegen Kopfschmerz klopft Jürgen Wittmann um 9.00Uhr an meine Tür um mich abzuholen.

Da war ich aber soeben fertig. Es geht ohne Frühstück (Strafe muss sein und die Zeit drängt) direkt aus Chang Mai heraus, um über die kurvige Touristenstrasse an Tempeln und Hmong Hilltribe Touri Dörfern vorbei auf den Doi Suthep, den Hausberg der Stadt. 1,5 Stunden später, die bei Diskussionen mit Jürgen und seiner Frau Avou (im Schlepptau der kleine 9-monatige Simon!) fast immer um Kaffee gehen, erreichen wir das Dorf Khun Chang Khian, das ich schon im Vorjahr besucht hatte. Es ist immer ein tolles Gefühl in Kaffeedörfer oder zu Plantagen zu kommen, in denen wir schon einmal. Manchmal so wie Freunde besuchen.

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Jürgen und Avou hatten für uns einen neuen Kaffeepartner in diesem Hilltribe Dorf gefunden. Auf der Suche nach einer Familie, mit der wir unsere Talhão Philosophie – DIREKT, BESTÄNDIG, GERECHT- teilen können, sind sie auf (Herrn) Dong gestoßen, der in dieser Arabica-Gegend schon seit 20Jahren beständig Kaffee anbaut und viel Erfahrung und Herzblut für seine Kaffeeplantage bewahrt hat. Dong bewirtschaftet seine 2 Felder mit seiner Frau Scho und seinen Töchtern Jam und Dogmai und führt auch die komplette Aufarbeitung bis zum Pergamino (ungeschälte getrocknete Kaffeekirschen) und die anschliessende Handsortierung hier durch. Seinen restlichen 3Kinder gehen in Chiang Mai zur Schule oder studieren dort an der Uni.
Dong gehört wie alle im Dorf Khun Chang Khian dem Hilltribe-Stamm der Hmong an. Neben starkem Geisterglauben ist für uns das auffallendste, das Hmong Männer mehrere Frauen haben dürfen. Dong macht davon keinen Gebrauch und ist auch ansonsten, wie alle in seiner Familie ausgesprochen aufgeschlossen, was bei Stammesmitgliedern der Hmong nicht immer so ist.

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Schon sehr schnell merke ich das Jürgen und Avou eine tolle Familie gefunden haben, die das Herz am rechten Fleck und das Lachen immer im Gesicht haben.
Sie besitzen einen kleinen Coffee-Shop am Eingang des Dorfes, denn hierhin finden viele Touristen aus der Stadt den Weg in die Berge. Es gibt hier guten Kaffee und Süssigkeiten, bis hin zur 5-Minuten Instantsuppe. Was der Touri halt so braucht… Der Kaffee ist natürlich aus eigenem Anbau und selber (eher zu dunkel) geröstet und, (aufgepasst!) er wird standardmässig in einer FrenchPress zubereitet und den Gästen angeboten. Wir persönlich hätten wohl ein bischen weniger Kaffeemehl verwendet, er war aber doch sehr lecker und ich hab ihn als verspätetest Frühstück echt gebraucht.

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Auf einem kurzen Rundgang werfen wir einen Blick in das Lagerhaus, wo bereits unsere gesamte versprochene Kaffeemenge (die Ernte ist jetzt bis auf wenige Kirschen an den Bäumen beendet) getrocknet als Pergamino liegt. Tolle, sauber aussehende und duftende Qualität. Sehr gut aufbereitet. Jürgen macht stichpunktweise Proben auf Restfeuchte und ist mit 10,5-11% sehr zufrieden. Lediglich die Lagerbedingungen können noch verbessert werden. Eine separate Lagerhütte muss her. Das unterstützen wir aber gerne zukünftig.

Zurück am CoffeeShop setzen wir uns bei einer 2ten Tasse (noch kräftigerem) Kaffee an die Tische und ich Stelle der Familie unsere Kaffeerösterei und unsere Talhão Philosophie vor. Ich möchte ihnen klar machen, dass wir eine lange, beständige und nachhaltige Partnerschaft mit Festpreisen über dem Marktpreis suchen. Avou hilft mir bei der Übersetzung, denn natürlich kann ich kein Thai. Aber mit Hilfe der Bilder in unserer Broschüre kann ich auf unsere anderen Partnerschaften in Thailand, Ecuador, Indien und Brasilien verweisen. Auch dass es uns wichtig ist mit den Familien über das Jahr in Kontakt bleiben. Und so gibt mir die Tochter Jam (30) ihren facebook account. Auch wenn wir es nicht schaffen hier lange Texte zu schreiben, so können doch Bilder ausgetauscht werden. Gut dass es solche Medien heute gibt.

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Ich freue mich die Begeisterung und auch ein wenig Stolz in den Augen der Familie von Dong zu sehen, als ich Ihnen mitteile, das wir wie besprochen gerne Ihre gesamte Ernte für dieses Jahr kaufen werden und das ich hoffe, dass wir eine lange Partnerschaft pflegen können.

Bevor wir uns bis Freitag verabschieden, denn dann schauen wir noch einmal hier vorbei, begleitet uns Dong noch zu einem seiner Felder. Es liegt eingebettet und geschützt in einem Talkessel. Toll wild, mit hohen, teilweise 20-jährigen Typica und Catimor Sorten (genaues weiß Dong selber nicht). Guter Schatten. Komplett ohne chemischen Dünger oder Pestizide kultiviert, aber nicht bio/organic zertifiziert. Brauchen wir auch nicht, Hauptsache wir wissen, dass dieser Kaffee „sauber“ ist. Am Freitag besuchen wir das zweite Feld.

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Nun fängt der „Abstieg“ im Pickup an, noch kurz in die Stadt Chiang Mai zum Kinderarzt und dann rauf in ein anderes Tal Richtung Mae Hung Son und Pai. Bis zum kleinen Städtchen Soppong, wo ich die nächsten 3 Nächte wohnen werde sind es 5 Stunden Fahrt. Aber wieder intensive Gespräche mit Jürgen lassen die Zeit wie im Flug vergehen. Hier, in der Nähe des Dorfes, aus dem Avou stammt und wo die drei wohnen werden wir in den nächsten Tagen zwei weitere Kaffeedörfer und unser gemeinsames Dorf-Projekt besuchen.